Faltenglätter – Resorbierbare Implantate

Artikel aus Ki-Magazin 9/2002

Eine attraktive und vor allem faltenfreie Haut – wer träumt nicht davon? Eine Möglichkeit, um wieder jugendliche Ausdrucksstärke ins Gesicht zu bringen, ist das Auffüllen der Haut mit resorbierbaren Implantaten. Klassische Bioimplantate sind Collagen, Hyaluronsäure sowie Eigenfett.

Die Gesichtsfalten sind für uns häufig mit negativen Gefühlen verbunden, denn Sie werden als Zeichen von Alterung empfunden. Dabei darf jedoch nicht vergessen werden, dass sie ein notwendiger Bestandteil der Gesichtsmimik sind, Gefühle ausdrücken und somit zu unserer Persönlichkeit gehören.

Vereinfacht kann festgestellt werden, dass es positive und negative Falten gibt Zu den positiven Falten gehören die Lachfalten seitlich der Augen, die Krähenfüße und die Nasolabialfalten oberhalb der Mundwinkel. Sind sie zu tief ausgeprägt oder bleiben sie ohne Betätigung der Mimik stehen, empfinden sie viele als störend.

Zu den negativen Falten zählen vor allem die senkrechten Zornesfalten oberhalb der Nasenwurzel sowie die Verlängerung der Nasolabialfalten unterhalb der Mundwinkel. Als störend werden auch tiefe, querverlaufende Falten über der Stirn und längs verlaufende Falten am Hals empfunden.

Verfahren zum Glätten

Wenn es um eine reine Faltenbehandlung geht, die ein jüngeres Aussehen bringen soll, gibt es mehrere Verfahren. Falten können auf drei Arten geglättet werden: das äußerliche Abtragen der Falten, das unter die Haut gehende Auffüllen sowie das Stilllegen gezielter Muskeln und damit Entspannen und Glätten der Mimikfalten. Während das Abtragen von Hautunebenheiten (Dermabrasion, Laserbehandlung, Peeling) mit Unannehmlichkeiten verbunden ist können Faltenunterspritzungen mit geringem Aufwand und unmittelbarem Resultat durchgeführt werden.

Da in den vergangenen zwanzig Jahren das Angebot an Füllmaterialien erheblich umfangreicher geworden ist lohnt sich ein Vergleich und eine kritische Bewertung der aktuellen Produkte. Prinzipiell lassen sich Bioimplantate von nicht resorbierbaren Füllstoffen unterscheiden. Klassische Bioimplantate sind Collagen und Hyaluronsäure. Aber auch Eigenfett zählt dazu. Collagen wird aus Rinderhaut extrahiert. Bei Kollagen besteht die (geringe) Möglichkeit einer allergischen Reaktion, weswegen vor jeder Erstbehandlung eine Austestung erfolgen muss.

Collagen liegt in verschiedenen Anwendungsformen vor, die sich in Konzentration, Viskosität und Haltbarkeit unterscheiden. Daher ist eine sehr vielseitige Anwendbarkeit möglich, von der Korrektur sehr oberflächlicher Fältchen über das Auffüllen eingekerbter Masolabialfalten bis zum Vergrößern und Modellieren der Lippen.

Hyaluronsäure ist wie Collagen ein wesentlicher Bestandteil des Bindegewebes. Empfehlenswert ist die Anwendung biotechnologisch hergestellter Hyaluronsäure nicht tierischen Ursprunges, wodurch keine Infektionsgefahr und ein nur sehr geringes Allergie-Risiko besteht. Je nach den Erfordernissen der konkreten Behandlung kommt Hyaluronsäure unterschiedlicher Konzentration und Viskosität zum Einsatz, wobei die Haltbarkeit sechs bis neun Monate beträgt und meistens deutlich länger als nach vergleichbaren Collagen-Behandlungen ist Eigenfett, das an anderen Stellen des Körpers entnommen wurde, kann zur Korrektur vor allem der Nasolabialfalte sehr erfolgreich eingesetzt werden. Es handelt sich um ein Bioimplantat im wahrsten Sinne, da es vom Körper stammt und auch von diesem resorbiert werden kann, um es vorwegzunehmen: Dies ist allerdings auch das Problem des Ei genfetts, da es in einem nicht kalkulierbaren Ausmali resorbiert wird. Gegenüber den anderen Verfahren hat das Eigenfett den Vorteil, dass mehr ais die Hälfte des implantierten Fettes vom Körper angenommen wird. Damit kann man ein dauerhaftes Ergebnis gewährleisten. Nachteilig ist allerdings, dass für die Eigenfettbehandlung zunächst ein zusätzlicher operativer Eingriff zur Gewinnung des Fettes erforderlich ist und nach der Fetttransplantation eine ausgeprägte Schwellung über mehrere Tage besteht. Wegen dieser Gründe ist die Anwendung der Eigenfetttransplantation zuerst äußert eingeschränkt.

Nicht resorbierbare Stoffe

Neben den Collagen- und Hyaluronsäure- Produkten renommierter Hersteller wird eine ständig zunehmende Anzahl von Substanzen zur Faltenunterspritzung angeboten, wobei die Zusammensetzung dieser Produkte und die Seriosität der Firmen häufig fragwürdig sind. Besonders riskant erscheint die Vermischung von Bioimplantaten mit nicht resorbierbaren Füllstoffen. In den vergangenen Jahren sind etliche Produkte auf dem Markt erschienen, die Acrylate als Füllstoff enthalten und eine sehr lang andauernde oder gar permanente Wirkung versprechen. Bei falscher Anwendung oder unverschuldetem Eintreten von Komplikationen kann mit diesen Materialien allerdings ein erheblicher Schaden verursacht werden, der ebenso dauerhaft ist wie die versprochene Verschönerung. Es ist äußerst fragwürdig, ob die lange Haltbarkeit die Risiken rechtfertigen.

Faltenunterspritzung

Vor diesem Hintergrund sei auch auf die Problematik verwiesen, die entstehen kann, wenn Nicht-Mediziner Falten unterspritzen. Wer Falten unterspritzt, benötigt eine Erlaubnis nach dem Paragraphen des Heilpraktikergesetz es. Eine Gerichtsentscheidung in Sachen Faltenunterspritzung gab es bislang nicht. Zum ünterfiüttern von Falten und zur Volurnenvermehrung werden auch einige andere Materialien angeboten, die teilweise als Bioimplantate angepriesen werden oder einfach nur exotisch sind. Beispielsweise gibt es schon seit einigen Jahren »Goldfäden«, die eine Straffung des Gewebes, eine Beseitigung von Falten und einen lang anhaltenden Verjüngungseffekt bewirken sollen. Der Grund für diese Wirkung soll darin liegen, dass sich im Rahmen einer Abwehrreaktion Bindegewebe neu bildet, das sowohl eine Straffung als auch den Volumeneffekt auslöst Eine vergleichbare Wirkung wie die der Goldfäden wird vom Einsatz resorbierbarer chirurgischer Nähte versprochen, die zwar nur einen Bruchteil der Goldfäden kosten, jedoch die selbe Reaktion auslösen sollen. Angeboten werden auch Milchsäurekristalle als ideales Material zum Volumenersatz. Auch hier liegen allerdings einige Erfahrungsberichte vor, die sehr unerwünschte Komplikationen beschreiben.

Zauberformel für entspannte Mimikmuskeln

Der Jungbrunnen der Schönheit hat dank Botulinumtoxin eine neue Definition [siehe dazu auch Ki-Magazin 7/2002]. Mit Botulinumtoxin steht ein Wirkstoff zur Verfügung mit dem gezielt mimische Muskeln abgeschwächt werden können und sich damit bestimmte, unerwünschte Falten beseitigen lassen. Der Wirkstoff wird durch ein Bakterium [Clostridium botulinum] abgesondert und in aufwendigen Reinigungsschritten isoliert. Seit etwa 5 Jahren wird Botulinumtoxin in großem Umfang auch im ästhetischen Bereich eingesetzt In den USA wurden im Jahre 1999 über 490 000 Botulinumtoxin- Behandlungen vorgenommen, ohne dass dabei wesentliche Komplikationen auftraten. Besonders wirkungsvoll ist Botulinumtoxin bei störenden »Zornesfalten «, quer verlaufenden Falten der Stirn oder den sogenannten »Krähenfüßen«. Auch Falten am Nasenrücken, nach unten verzogene Mundwinkel und unschöne Muskelbänderam Hals lassen sich damit korrigieren. Besonders vorteilhaft ist die Kombination von Botulinumtoxin mit Hyaluronsäure, wenn es um die Beseitigung der Zornesfalten geht. Nach der Ruhigstellung der mimischen Muskeln können Restfalten vollständig geglättet werden. Bei der Faltenbehandlung hält die Wirkung etwa 6 bis 9 Monate an. Das Ergebnis einer Behandlung ist sehr gut, da mit minimalem Aufwand schnell sichtbare Resultate erzielt werden.