Botulinumtoxin bei Bruxismus, Migräne und Verspannungen

Seit rund 30 Jahren arbeite ich intensiv mit Botulinumtoxin und habe etwa 25.000 Behandlungen durchgeführt. Neben ästhetischen Anwendungen setze ich es zunehmend bei medizinischen Indikationen wie Zähneknirschen, chronischer Migräne und muskulären Verspannungen im Kopf-, Hals- und Nackenbereich ein. Besonders interessant ist für mich die therapeutische Wirkung auf überaktive Muskulatur. Denn Botulinumtoxin kann weit mehr als mimische Falten behandeln und bei sorgfältig ausgewählten Patienten einen wirkungsvollen therapeutischen Ansatz bieten.

Dr. Dr. Frank Muggenthaler
Facharzt für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie
Ästhetisch-Plastische Operationen

Dr. Dr. Frank Muggenthaler
Specialist in oral and maxillofacial surgery
Aesthetic plastic surgery

Botulinumtoxin gegen Schmerzen: Entscheidend ist die Muskulatur

Viele meiner Patienten haben eine lange Vorgeschichte. Sie leiden teilweise seit Jahren unter Schmerzen, Kopfschmerzen, Kieferbeschwerden oder hartnäckigen Verspannungen. Häufig wurden bereits zahlreiche Untersuchungen durchgeführt und unterschiedliche Therapien ausprobiert. Nicht selten werden regelmäßig Schmerzmittel eingenommen, ohne dass damit das eigentliche Problem dauerhaft gelöst werden kann.

 

Besonders schwierig ist die Situation, wenn sich keine einzelne eindeutige Ursache für die Beschwerden feststellen lässt. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich keine konkreten körperlichen Befunde erheben lassen. Bei einem Teil dieser Patienten findet man eine deutlich erhöhte Muskelspannung, überaktive Muskelgruppen oder ausgeprägte Muskelverhärtungen. Im Kopf-, Kiefer-, Hals- und Nackenbereich können solche funktionellen Zusammenhänge eine erhebliche Rolle spielen. Genau hier setzt meine Untersuchung an. Ich versuche nicht nur herauszufinden, wo es schmerzt, sondern vor allem, welche Muskeln an der Entstehung oder Aufrechterhaltung der Beschwerden beteiligt sein könnten.

Drei Beschwerdebilder, drei unterschiedliche Ausgangslagen

Nicht jede muskuläre Überaktivität ist medizinisch gleich zu bewerten. Ich unterscheide dabei drei Anwendungsfelder, die sich in ihrer Zulassungslage deutlich unterscheiden:

Bruxismus und Zähneknirschen

Unbewusstes Zähneknirschen oder starkes Zusammenpressen der Zähne führt häufig zu einer erheblichen Überaktivität der Kaumuskulatur, besonders des Musculus Masseter. Botulinumtoxin entspannt gezielt den überaktiven Kaumuskel und kann Schmerzen und Verschleiß spürbar reduzieren.

 

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Chronische Migräne

Für bestimmte Botulinumtoxin-Präparate besteht eine Zulassung zur Behandlung der chronischen Migräne, wenn die in der Fachinformation festgelegten Voraussetzungen erfüllt sind.

 

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Nacken- und Schulterverspannungen

Botulinumtoxin kann überaktive, dauerhaft angespannte Muskelpartien gezielt entspannen und so begleitend zur Schmerzlinderung beitragen. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist, entscheide ich erst nach sorgfältiger individueller Untersuchung.

 

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Wenn Beschwerden tatsächlich durch eine überaktive Muskulatur verursacht oder verstärkt werden, kann die gezielte Behandlung nach meiner Erfahrung zu einer deutlichen und über mehrere Monate anhaltenden Entlastung führen.

Dr. Dr. Frank Muggenthaler

Was können Patienten von einer therapeutischen Botulinumtoxin Behandlung erwarten?

Nach meiner persönlichen Erfahrung  beobachte ich bei sorgfältig ausgewählten Patienten mit entsprechenden muskulären Beschwerdebildern häufig eine deutliche Verbesserung. Bei etwa zwei Dritteln meiner entsprechend behandelten Patienten erlebe ich eine weitgehende Reduktion der Schmerzen beziehungsweise Beschwerden.

Wenn die Behandlung erfolgreich ist, kann die Wirkung nach meiner Erfahrung etwa drei bis sechs Monate anhalten. Bei manchen Patienten kann sich dadurch auch der Bedarf an Schmerzmitteln reduzieren.

Mir ist jedoch wichtig, diese Erfahrung richtig einzuordnen: Eine solche persönliche Behandlungsbeobachtung ist keine Garantie für einen individuellen Therapieerfolg und nicht mit dem Wirksamkeitsnachweis einer kontrollierten klinischen Studie gleichzusetzen. Nicht jeder Patient spricht auf Botulinumtoxin an. Zudem hängt das Ergebnis wesentlich von der zugrunde liegenden Erkrankung, der beteiligten Muskulatur, der individuellen Anatomie und der korrekten Indikationsstellung ab.

Botulinumtoxin ist kein universelles Schmerzmittel

Gerade aufgrund meiner langjährigen Erfahrung sehe ich Botulinumtoxin nicht als universelle Lösung für Schmerzen. Im Gegenteil: Eine sorgfältige Auswahl der Patienten ist für mich ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung. Schmerzen können zahlreiche Ursachen haben. Erkrankungen, die einer anderen Diagnostik oder Therapie bedürfen, dürfen durch eine Botulinumtoxin-Behandlung weder übersehen noch unnötig verzögert werden. Deshalb steht vor jeder Behandlung eine persönliche ärztliche Untersuchung. Erst wenn sich dabei ein plausibler Zusammenhang zwischen der Aktivität bestimmter Muskelgruppen und den bestehenden Beschwerden ergibt, stellt sich die Frage, ob Botulinumtoxin eine sinnvolle Behandlungsoption sein könnte.

Zugelassene Behandlung oder Off-Label-Use – was bedeutet das?

Für Patienten ist diese Unterscheidung häufig nicht einfach zu verstehen.

Botulinumtoxin ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Welche Erkrankungen damit offiziell behandelt werden dürfen, ist in der Zulassung des jeweiligen Präparates genau definiert.

Zugelassene Anwendung: Das verwendete Arzneimittel wird entsprechend der in seiner Fachinformation festgelegten Indikation und den dort genannten Voraussetzungen eingesetzt.

Off-Label-Use: Das Arzneimittel wird außerhalb einer zugelassenen Indikation eingesetzt – beispielsweise für ein anderes Krankheitsbild oder unter Bedingungen, die von der jeweiligen Zulassung nicht erfasst werden.

Off-Label bedeutet dabei nicht automatisch, dass eine Behandlung medizinisch nicht sinnvoll sein kann. Es bedeutet zunächst, dass diese konkrete Anwendung nicht Bestandteil der arzneimittelrechtlichen Zulassung des verwendeten Präparates ist. Deshalb sind eine besonders sorgfältige individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung und eine entsprechende ärztliche Aufklärung erforderlich.

Die Einordnung muss außerdem immer für das konkret verwendete Botulinumtoxin-Präparat erfolgen. Die verschiedenen Präparate besitzen unterschiedliche Zulassungen, Dosierungsempfehlungen und Einheiten und dürfen daher nicht einfach gleichgesetzt werden.

Wann kann ein Behandlungsversuch mit Botulinumtoxin sinnvoll sein?

Patienten fragen mich häufig, ob eine Behandlung mit Botulinumtoxin bei ihren Beschwerden einen Versuch wert ist. Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht.

Wenn jedoch beispielsweise ein ausgeprägter Bruxismus, eine geeignete Form der chronischen Migräne oder eine objektivierbare muskuläre Überaktivität im Kopf-Hals-Bereich vorliegt, kann es sinnvoll sein, die therapeutischen Möglichkeiten in einem persönlichen Gespräch zu prüfen.

Dabei interessiert mich besonders, welche Beschwerden bestehen, seit wann sie vorhanden sind, welche Behandlungen bereits durchgeführt wurden und welche Muskelgruppen bei der Untersuchung auffällig sind. Erst daraus ergibt sich ein individuelles Behandlungskonzept.

Mein persönlicher Blick nach 30 Jahren Botulinumtoxin-Behandlung

In drei Jahrzehnten hat sich mein Blick auf Botulinumtoxin verändert. Die ästhetische Anwendung bleibt ein wichtiger Teil meiner Arbeit. Besonders faszinierend finde ich heute jedoch die medizinischen Möglichkeiten einer Substanz, die ursprünglich von vielen Menschen fast ausschließlich mit Faltenbehandlung verbunden wurde. Gerade Patienten, die über lange Zeit unter Schmerzen oder muskulären Beschwerden leiden, haben häufig bereits viele Behandlungen hinter sich. Ihnen möchte ich weder falsche Versprechungen machen noch eine vermeintlich einfache Lösung anbieten.

 

Was ich ihnen anbieten kann, sind meine langjährige Erfahrung, eine genaue Untersuchung und meine detaillierte Kenntnis der Anatomie des Kopf-Hals-Bereichs. Nach rund 25.000 Behandlungen weiß ich, dass Botulinumtoxin nicht bei jedem Patienten die richtige Therapie ist. Ich weiß aber ebenso, dass eine präzise geplante Behandlung bei richtig ausgewählten Patienten eine erhebliche Verbesserung ihrer Beschwerden ermöglichen kann. Und genau herauszufinden, für wen eine solche Behandlung sinnvoll sein könnte, ist für mich der wichtigste Teil der Therapie.

Haben Sie noch Fragen oder wünschen Sie sich eine persönliche Beratung? Wir sind gerne für Sie da.

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