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Die aktuelle Ausgabe des Journals für Ästhetische Chirurgie sollte ursprünglich ganz dem Thema der Lipodystrophiebehandlung gewidmet werden, und ich danke an dieser Stelle ausdrücklich Herrn Dr. Sandhofer für seine Gastherausgeberschaft und die Zusammenstellung eines sehr guten Überblicks dieses erfolgreichen und zukunftsweisenden Verfahrens.

Die aktuellen Umstände zwingen aber auch unser Journal zu einer Konzentration auf die gegenwärtigen Probleme.

Die meisten von uns stehen vor Aufgaben, die sie sich vor wenigen Wochen noch gar nicht vorstellen konnten, haben möglicherweise Angst um das Wohl ihrer Familien oder sogar den Fortbestand ihrer beruflichen Existenz. Ganz nüchtern betrachtet, liegen die grössten Gefahren wohl in der Verschlechterung der allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse und in der Angst an sich.

Winston Churchill hatte inmitten der nahezu aussichtslos erscheinenden Situation Großbritanniens während der Bombardierung durch die Deutschen gesagt:

Nichts haben wir so sehr zu fürchten wie die Angst!

Nicht zuletzt seinem Mut und seiner Entschlossenheit haben es die Briten zu verdanken, dass sie den Krieg als Sieger überstanden.

Jeder von uns wird aus seinen eigenen Lebenserfahrungen jetzt den guten Rat suchen, um die Probleme zu meistern. Lassen Sie mich bitte 2 Quellen nennen, welche mir persönlich Kraft und Zuversicht geben. Es handelt sich um Bücher, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten und von unterschiedlichen Persönlichkeiten geschrieben wurden, dem Kaiser Marc Aurel (geb. 121, gest. 180) und dem Börsenhändler Nassim Nicholas Taleb (2007).

Marc Aurel führte das Römische Reich von 161 bis 180 n.Chr., und nie zuvor und danach hatte es eine grössere Ausdehnung. Er war in Schlachten erfolgreich und konnte sehr lange den inneren Frieden im Reich sichern. Er war aber auch ein Philosoph und lässt sich in die Reihe der Stoiker einordnen. Ganz allgemein lautet die Kernthese der Stoa:

Bleib gelassen, nimm die Dinge so, wie sie sind, und gebe das, was Du geben kannst.

In seinem Buch „Der Weg zu sich selbst“ [1] beschreibt Marc Aurel unzählige Situationen aus seinem Leben, in denen das richtige Handeln nach seinen Vorstellungen beschrieben wird. Man muss nicht Literatur- oder Philosophieexperte sein, um die wesentlichen Botschaften in diesem Buch zu begreifen. Mir hat das Lesen jedenfalls viele neue Erkenntnisse verschafft, die mir täglich bei der Bewältigung meiner Aufgaben helfen.

Das andere Buch, von dem ich Ihnen berichte, ist Nassim Nicholas Talebs Bestseller „Der Schwarze Schwan – die Macht höchst unwahrscheinlicher Ereignisse“ [2], welches er 2007, also 1 Jahr vor der letzten großen „Finanzkrise“, veröffentlichte. In diesem Buch wird überaus anschaulich und mit einem beeindruckend umfangreichen Bezug auf historische Ereignisse und Persönlichkeiten der grundsätzliche Fehler der meisten Menschen bei der Einschätzung von Wahrscheinlichkeiten beschrieben. Nicht nur, dass wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit eine zu hohe Gesetzmässigkeit für die Zukunft ableiten, sondern dass wir auch jede unvorhergesehene Abweichung davon als Katastrophe betrachten. Beides schadet uns mehr, als es nützt. Tatsächlich sind Prognosen aus Erkenntnissen der Vergangenheit immer mit einer grossen Unsicherheit behaftet, unvorhergesehene Ereignisse sind eher die Regel als die Ausnahme und sind oftmals auch der Grund, weshalb es überhaupt auch eine Fortentwicklung gibt. Die Evolution aller Organismen verdanken wir ja schliesslich auch zum grossen Teil den „fehlerhaften“ Mutationen von Aminosäuresequenzen im Erbgut und anderen Abweichungen von „regulären“ Abläufen.

Es gibt wohl keinen Tag, an dem ich nicht aus den Erkenntnissen des „Schwarzen Schwans“ profitiere. Sowohl Marc Aurel wie Taleb geben mit ihren Büchern Gelassenheit und Kraft, Eigenschaften, die für uns immer wichtig sind. Jetzt, wo wir als Ärzte und Unternehmer für unsere Familien, Patienten und Angestellte in besonderer Weise Verantwortung übernehmen, ist dies besonders wichtig. Auch die gegenwärtige Krise wird vorbeigehen, und wir werden danach gestärkt und erfahrener sein. Gerade die Lektüre der genannten Bücher hilft sehr, hinter jedem unerwarteten Ereignis nicht die Katastrophe, sondern sogar eine Chance zu sehen.

 

Ich wünsche Ihnen für die kommende Zeit alles Gute und bleiben Sie gesund!

 

Dr. Dr. Frank Muggenthaler
Schriftleiter der JÄC und Präsident der GÄCD

 

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Literatur:

1. AurelM (2008) DerWeg zu sich selbst. Anaconda,
Köln

2. TalebNN (2007) Der Schwarze Schwan – die Macht
höchst unwahrscheinlicher Ereignisse. Hanser, München